Zu alt oder zu jung? Studentische Selbsterfahrung auf WG-Partys

WG-Party - Jeannine Hélène Teichert
WG-Party - Jeannine Hélène Teichert
Langzeitstudent, Erstsemester und weitere Subkategorien versammeln sich auf der WG-Party. In welche ordnet man sich selbst ein?

Wer kennt das nicht: Man trifft sich mit Freunden auf einer Studenten-WG-Party, lernt neue Menschen kennen und redet viel über sich und seinen Lebensmittelpunkt - das Studium. Als Student ist man gezwungenermaßen eng verknüpft mit der Universität, Fachliteratur, dem Computer und oft, aus Gründen des Geldmangels, der eigenen Wohnungsteilung.

Der normale WG-Alltag

So viele Vorteile die WG auch mit sich bringt, manchmal können die Mitbewohner wirklich anstrengend sein. Wenn der fremde Inhalt des Kühlschranks geplündert wurde, oder das Bad als Herberge diverser Staubwolken und Getier dient, zufällig aber grade keiner Zeit hat, sich der Herausforderung anzunehmen.

WG-Party in Neukölln

Ein ganz anderes Übel sind jedoch WG-Partys. Um keine Ausrede verlegen, die eigenen vier Wände zur Verfügung zu stellen, strömt man doch gerne, am liebsten mit vielen Freunden, in völlig fremde Wohnungen, deren Besitzer man nur über viele Ecken "kennt".

Nach einigen "Fach-Gesprächen" mit anderen Gästen, wird dank der Bier-Laune auch die Musik, subjektiv empfunden, immer besser. Genötigt von der Leere, die sich knapp über dem Parkettboden ausbreitet, beginnen die angeheiterten Studenten zu tanzen. Ganz gleich der verzerrten Wahrnehmung, die Wohnung in Berlin-Neukölln mit der hippen Club-Location in Berlin-Kreuzberg zu verwechseln, beginnt der Boden im Takt mit zu wippen.

Stimmung nicht verderben lassen

Das ärgerliche Klopfen der Nachbarn an der Türe wird dezent mit der Lautstärkeregelung der Musikanlage überspielt. "Wir sind hier zum Feiern, Alter", so die verbreitete Meinung der (geladenen) Gäste. Hingebungsvoll kopfnickend bewegen sich die jungen Menschen mehr oder weniger im Takt der elektronischen Musik. Ab und an versucht man mit dem gehobenen Arm den Wave der Beschallung nachzuempfinden, scheitert jedoch kläglich an mangelnder Coolness.

Die selbsterstandene Verpflegung ist schnell verzehrt, die Küche bietet ein farbenfrohes Gemisch an künstlerischen Tupfern an Wänden und Boden. Doch die Kekse sehen einladend aus. Lautstark diskutierend unterhalten sich hier Vorjahrs- und Herbst-Kollektion von H&M, auf Parkett-vernichtenden Pfennigabsätzen, neben neumodischer Plateausohle. Bleibt nur der Rückzug in benachbarte Räume.

Milieustudie des Jungvolks

Wesentlich ruhiger trotz mangelnder Sitzmöglichkeiten, kann man sich niederlassen um dem gedämpften Grölen des Nebenraumes zu lauschen. Sozialwissenschaftler, BWL er und Erasmus-Studenten sitzen in friedlicher Runde und frisieren sich die Haare. Interessante Mischung.

Im Flur begegnet man Männern, deren Shirts weiter ausgeschnitten sind, als die mancher Mädels im Raum. Abwertende Blicke prasseln auf nebenstehende Personen nieder, die sich mit ebensolchen zur Wehr setzen.

Irgendjemand, wohl kaum der Wohnungsbesitzer, gibt schließlich dem anhaltenden Pochen an der Haustüre nach. Die uniformierten Männer werden hineingelassen. Entgegen der Erwartung, handelt es sich dabei nicht um Stripper, aber um schlecht gelaunte Polizisten. Das Übliche, die Nachbarn hätten sich beschwert. Musik leiser drehen, sonst ist die Party vorbei.

Vorzeitiges Ende

Nichts leichter als das, würde man meinen. Doch die schwer belehrbare Jugend möchte die Konsequenzen lieber selbst erfahren - als die netten Herren zum zweiten Mal im Wohnungseingang stehen. Das Party-Volk begibt sich betont langsam und lauthals beschwerend in Richtung Hausflur, während die zwei Uniformierten die Räume nach übrig gebliebenen Personen durchsuchen.

Der Boden klebt, nur langsam lassen sich die Füße vorwärts tragen, sehr zum Leidwesen der Polizisten. Endlich können die Nachbarn wieder schlafen. Die Jugend kennt sich einfach nicht aus, mit den Gepflogenheiten des Alters.

Jeannine Hélène Teichert - Erfolgreich abgeschlossenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien sowie absolviertes ...

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